Geburtshilfe flächendeckend stärken

„Die Situation des Hebammenberufs ist bekanntermaßen desolat. Viele Hebammen quittieren ihren Dienst, weil sie sich die immens gestiegenen Haftpflichtprämien nicht mehr leisten können. Zudem ist die Vergütung so niedrig, dass Hebammen bereits durch geringe Kostensteigerungen an den Rand ihrer Existenz gedrängt werden. Trotz steigender Geburtenraten wurden von 1991 bis 2015 rund 40 Prozent aller Kreißsäle geschlossen. Die Unterversorgung in der Geburtshilfe erleben Schwangere tagtäglich, wenn sie stundenlang zu einer sie aufnehmenden Entbindungsstation fahren oder sich wegen Zeitdruck medizinisch nicht notwendigen Eingriffen, etwa unnötigen Kaiserschnitten, unterziehen müssen. Und das, obwohl die Bundesregierung im Koalitionsvertrag wiederholt die Stärkung der wohnortnahen Geburtshilfe versprochen hat“, erklärt Sylvia Gabelmann, Sprecherin der Fraktion DIE LINKE für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte, zum internationalen Hebammentag am 5. Mai. Gabelmann weiter:

„Was fehlt, sind ein ‚Sofortprogramm Geburtshilfe‘, das den Berufsstand der Hebammen finanziell absichert, und ein Haftungsfonds, der Hebammen unabhängig von privaten Versicherungen macht. Hebammen sind die am besten geeigneten Fachkräfte für die Betreuung von Frauen in der Schwangerschaft, bei der Entbindung und am Wochenbett. Ihre Leistungen gehören zur Grundversorgung der Bevölkerung, die nicht der marktorientierten Ausrichtung des Gesundheitssystems zum Opfer fallen dürfen. Daher bedarf es der Ermittlung einer Personalbemessung ausgehend vom Anspruch einer Eins-zu-Eins-Betreuung. Das würde die flächendeckende und wohnortnahe Versorgung sicherstellen und Frauen eine respektvolle Entbindung ermöglichen. Schließlich muss die Bundesregierung das im Fünften Sozialgesetzbuch verbriefte Recht einer jeden Schwangeren auf freie Wahl des Geburtsortes umsetzen und neben dem Ausbau der Geburtsstationen Alternativen zur Entbindung in der Klinik, etwa zu Hause oder in Geburtshäusern, stärken.“

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