Gabelmann, MdB: Rede auf der Bayer-Hauptversammlung

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mein Name ist Sylvia Gabelmann, ich bin Apothekerin, Mitglied des Deutschen Bundestages und für meine Fraktion Sprecherin für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte.

Allem voran: Ich teile die Kritik insbesondere der ImkerInnen, der Kritischen AktionärInnen und von Misereor und schließe mich deren Aufforderung an, den Vorstand der Bayer AG nicht zu entlasten.

In Anbetracht der kurzen Redezeit möchte ich mich aber auf zwei Themen konzentrieren, die direkt mit meinem Fachgebiet zu tun haben und die auch schon kurz angesprochen wurden.

Die erste Frage bezieht sich auf ein Hormonpräparat der von Bayer mittlerweile übernommenen Firma Schering:

Das Mittel Duogynon steht im hochgradigen Verdacht, schwerste Schädigungen bei mehreren hundert Kindern hervorgerufen zu haben. Es mehren sich Studien, die einen starken statistischen Zusammenhang belegen und auch medizinisch erklären können, wie dieser Zusammenhang zustande kommt. Von Betroffenen wurde mir allerdings bestätigt, dass Sie, vom Vorstand der Bayer AG bisher jedes Gespräch dazu verweigert haben.

Unter  anderem berufen Sie sich darauf, dass ein kausaler Zusammenhang der Missbildungen mit der Einnahme von Duogynon nicht bewiesen sei.

Dabei müsste Ihnen doch klar sein: Mehr als eine sehr hochgradige Assoziation wird kaum möglich sein. Es sei denn, es würden ethisch nicht vertretbare Versuche mit Schwangeren und ihren Kindern durchgeführt werden. Das kann ja wohl niemand wollen!

Um den Betroffenen und ihren Familien wenigstens etwas Gerechtigkeit zukommen zu lassen, wäre die Unterstützung der Bundesregierung und von Bayer notwendig. Damit meine ich die Möglichkeit einer vollständigen Aufklärung und natürlich auch Entschädigungen – zum Beispiel über ein Stiftungsmodell.

Daher möchte ich vom Vorstand gerne wissen: Werden Sie bereit sein, mit den Opfern und deren Angehörigen zu reden und ihnen die Aufklärung erleichtern? Und werden Sie sich mit der Bundesregierung zusammensetzen und Ihre Bereitschaft erklären, sich finanziell an einer möglichen Entschädigungslösung zu beteiligen?

Das Thema wird übrigens auch im Bundestag intensiver angeschaut – vor kurzem haben sich bereits mehrere Dutzend Abgeordnete zusammengesetzt, um gemeinsam zu beraten, wie den Geschädigten und ihren Familien geholfen werden kann. Darum: Schieben Sie es nicht weiter auf die lange Bank und verweigern Sie den Betroffenen nicht weiterhin Auskunft und Gerechtigkeit.

Meine zweite Frage bezieht sich auf Medikamentenversuche an Heimkindern in den 50er bis 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Es wurden Versuche gemacht unter anderem mit Impfstoffen, Psychotherapeutika und Präparaten zur Hemmung der Libido, deren Gabe medizinisch nicht indiziert war.

Solche Versuche fanden damals im ganzen Land statt, beteiligt waren neben den Heimleitungen sowie den Heimärztinnen und -ärzten auch viele Pharmaunternehmen.

Darum an den Vorstand die Fragen von mir: Sind Sie bereit, Ihre Archive zu öffnen, um offenzulegen, in welchem Umfang und wann und wo auch die Firma Bayer an den beschriebenen Medikamentenversuchen beteiligt gewesen ist?

Allein der Verweis auf die damals geltende Rechtslage und dass Bayer das Recht damals nicht verletzt habe, reicht mir nicht.

Denn es gibt auch eine moralische Verantwortung.

Und was die Rechtslage betrifft: Auch da gehen die Expertenmeinungen auseinander, wie ein Fachgespräch im Bundestag vor vier Monaten aufzeigte.

Darum möchte ich von Ihnen wissen: Sind Sie bereit, sich bei den Opfern zu entschuldigen, die unter den Arzneimittelstudien zu leiden hatten? Und sind Sie bereit, Entschädigungen zu zahlen, und zwar in einer Höhe, die diesen Namen dann auch verdient?

Über das Arzneimittelgesetz besteht heute ein anderer Rechtsrahmen – trotzdem möchte ich gerne von Ihnen wissen, welche Maßnahmen Sie einleiten oder eingeleitet haben, um zukünftig sicherstellen zu können, dass Arzneimittelforschung nur nach ausdrücklicher Zustimmung der Probanden und Probandinnen stattfindet. Nicht nur in Deutschland , sondern weltweit.

Ich beziehe mich mit dieser Frage zum Beispiel auf Menschen in Pflegeheimen und auf fremd- oder gruppennützige Forschung auch an Kindern. 

Meine Damen und Herren: Ich fordere Sie auf, Verantwortung zu übernehmen, für Transparenz zu sorgen und den Weg für Entschädigungen der Betroffenen frei zu machen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

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