Keine psychische Gesundheit ohne einen radikalen Umbau der Gesellschaft

„Die rapide Zunahme von psychischen Behandlungen und Krankschreibungen lässt sich nicht allein auf einen offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen zurückführen. Je nach Arbeitssituation und sozialem Umfeld gibt es noch immer große Hürden und eine hohe Stigmatisierung, die Menschen mit psychischen Belastungen davon abhalten, sich Hilfe zu suchen. Die öffentliche Debatte und Prävention sollten stattdessen die gesellschaftlichen Faktoren für die Zunahme psychischer Erkrankungen in den Blick nehmen. Schon bei Kindern und Jugendlichen sorgen hoher Leistungsdruck, Stress und Versagensängste zu psychischen und psychosomatischen Krankheitssymptomen. Durch Arbeitsverdichtung, Überstunden und prekäre Arbeitsverhältnisse nimmt die Belastung am Arbeitsplatz stetig zu, was zu Burnout, Depression und Angststörungen führt”, kritisiert Sylvia Gabelmann (Die Linke) , Mitglied des Gesundheitsausschusses im Bundestag, anlässlich des Welttages der Seelischen Gesundheit am morgigen Sonnabend.

Gabelmann weiter:

“Auch gesellschaftliche Krisenerscheinungen, wie die Corona-Pandemie, politische und ökonomische Instabilität sowie die Klimakatastrophe und wachsende Kriegsgefahr tragen zur Entstehung psychischer Belastungen bei. Echte Prävention muss daher einen radikalen Umbau der Gesellschaft anstreben – durch bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung, kürzere Arbeitszeiten, Umfassende soziale Absicherung und eine wirksame Klimapolitik, die unter anderem auch durch lebenswerte Innenstädte zu einer besseren Lebensqualität beiträgt.”


Psychische Erkrankungen haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten rapide zugenommen. Laut einer aktuellen DAK Studie haben die Fehltage am Arbeitsplatz aufgrund von Depressionen, Stresssymptomen und Angststörungen seit 1997 um 239 Prozent zugenommen. Auch psychische Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen sind auf dem Vormarsch. Stressbedingte Beschwerden wie Bauch- und Kopfschmerzen, Reizbarkeit und ständige Erschöpfung führen bei Schülerinnen und Schülern sind seit 2007 teilweise um 100 Prozent gestiegen.

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